Aus meiner Feder

Ein Herz für Kinder

Diesen Auftrag – wieder für das dm-Magazin – habe ich mit Kusshand angenommen. Die Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft ist für mich ein echter Schmerzpunkt.


Den Originalbeitrag im dm-Magazin “glückskind” finden Sie hier.


 

 

 „Deutschland braucht mehr Kinder“, heißt es von allen Seiten. Nur stören sollten sie nicht. Schilder wie „Hier ist Fußball spielen verboten!“ sind keine Seltenheit. Wie passt das zusammen? Und was halten die Familien selbst von der Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft?

 

Faktisch weit vorn

Nach der aktuellen internationalen UNICEF-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern hat sich das Lebensumfeld für Kinder in Deutschland insgesamt deutlich verbessert. So liegen wir jetzt auf Platz sechs – wenn Kriterien wie relative Armut, Gesundheit oder Bildung zur Bewertung herangezogen werden.

Deutschland ist also eigentlich ein guter Ort für unsere Kinder. Eigentlich.
Denn fragt man die Familien selbst, so ergibt sich oft ein differenziertes Bild. Was steckt dahinter? Wo liegen die Stärken und Schwächen?

 

Beste Infrastruktur

Wenn es um die Betreuung von Kindern geht, steht Deutschland ganz gut da. Seit dem 1. August 2013 haben Familien einen Rechtsanspruch auf Betreuung ihres Kindes ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. „Was staatliche Unterstützung, Betreuungsmöglichkeiten oder sonstige Angebote für Familien angeht, ist Deutschland im Vergleich zu anderen westlichen Ländern ein Paradies für Familien“, lobt Katja Ohlrogge, Mutter von Johanna (8).

Will die Politik also etwas erreichen, was der ruheliebende Nachbar doch wieder verweigert?

 

Alles nur Fassade?

Wer kleine Kinder hat, wird das kennen: Interesse und Hilfsbereitschaft sind in der Gesellschaft zwar vorhanden, aber oft nur so lange, wie die Kleinen brav sind. „Die Stimmung in der Bahn konnte ziemlich schnell kippen, wenn sich unser Sohn mal etwas länger lautstark zu Wort gemeldet hat“, erinnert sich Jens Lippoldt, Vater von Friederike (11) und Laurenz (9).

Lidia Riewe, Mutter von Maxim (6) und Erik (5), meint auch: „Ich finde unsere Gesellschaft hier in Deutschland kinderunfreundlich. Kinder sollen stets leise und sauber sein. Da meine Kinder lebhaft sind, bedeutet das, dass ich meistens mit den beiden irgendetwas allein mache, um mir unnötigen Stress zu ersparen.“

Alexander Krause, Vater von Jakob (6), bringt es auf den Punkt: „Kinder sind laut, unartig, wild, meistens zu viele an einem Platz, und sie stören die Ruhe.“ Und er fügt hinzu: „Aber genau darauf haben sie ein Recht! Kinder sind das Wunderbarste, was einer Gesellschaft passieren kann. Kinder ziehen uns in den Bann und schaffen es, aus sachlichen, manchmal misstrauischen, kalkulierenden Erwachsenen absolut zufriedene, glückliche Menschen werden zu lassen.“

 

Freunde und Familie

Hilfreich ist es, sich selbst ein kinderfreundliches Umfeld zu schaffen. Lassen Sie die Nörgler links liegen – und genießen Sie die Zeit mit Ihren Kindern, mit guten Freunden und der Familie. Mit einer verlässlichen Infrastruktur im Rücken stehen die Zeichen für einen unbeschwerten Start ins Familienleben ziemlich gut.